Markustal’s Weblog

Die Tour de France 2008

Veröffentlicht in Satire by Markus Tal am Juli 6th, 2008

Die rollende Apotheke hat sich wieder einmal in Bewegung gesetzt und ich warte gespannt auf das was die Tour de France ausmacht - ihre Skandale. :-) Zu meiner Unterhaltung können sich mitlerweile selbst die Reporter die das aktuelle Tagesgeschehen mehr oder weniger “live” kommentieren, nicht einer gewissen Häme in ihren Moderationen entziehen. Für Sportler die sowiso unabhängig davon ob sie dopen oder nicht als Anabolika-Monster (Bodybuilder) verschrien sind, fehlt leider bisher der Unterhaltungsapekt da  (noch ;-))  niemand erwischt wurde und so niemand von den Medienhyänen durch den Kakao gezogen werden kann. Aus Ermangelung eines aktuellen Skandals möchte ich Euch an dieser Stelle einen satirischen Artikel eines Autors von Team-Andro aus dem Jahr 2007  nicht vorenthalten; um uns so ein wenig die Wartezeit zu verkürzen:

 

Wir sind alle kleine Sünderlein,
’s war immer so, ’s war immer so.
Der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n,
’s war immer, immer so.
Denn warum sollten wir auf Erden
schon lauter kleine Englein werden?
(Willy Millowitsch)

Vorwort

“Uns Willy” hat es schon immer in einem anderem Kontext “gewusst”, ich habe es gewusst und einige unter Euch haben es geahnt – Doch nun ist die Bombe geplatzt: Sportler in beliebten Breitensportarten wie dem Radsport haben leistungssteigernde Substanzen wie z.B. EPO konsumiert. Ich bin trotz meiner eigenen “Weitsicht” tief erschüttert und schockiert: Radler aus dem T-Mobile Team haben laut eigenen Aussagen gedopt und sind dabei von den Team-Ärzten Andreas Schmidt und Lothar Heinrich unterstützt worden. Wie unvorhersehbar! Dies hatte zur Folge, dass die Uniklinik Freiburg die o.g. Sportmediziner gefeuert hat und bis zur Klärung der “näheren Umstände” (so kann man auch die 2 Wörter “eigene Verwicklung” juristisch unverfänglicher umschreiben) wird jegliche sportmedizinische “Betreuung” (was wieder Interpretationen zulässt) von Spitzensportlern eingestellt. Bleibt jetzt nur noch die Frage, wann die weiteren mutmaßlichen Protagonisten wie der Teammanager Bob Stapleton, Kommunikationschef Christian Frommert und Sportdirektor Rolf Aldag umkippen.

Einige werden sich nun wundern, warum ich mich nach meinem freiwilligen Ausscheiden vom Team-Andro diesbezüglich zu Wort melde. Den Ausschlag gaben aus aktuellem Anlass diverse Mails von früheren Weggefährten und vor allem die Zuschriften von Sportler der diversen Ausdauersportarten-Foren wie beispielsweise 3athlon, leichtathletik und dem radsport-forum. In der Vergangenheit war ich aufgrund diverser Aussagen und einiger Artikel wie z.B. “2,4 Dinitrophenol im Bodybuilding”, “BB- der direkte Weg in das gesellschaftliche Abseits” in das Kreuzfeuer der Kritik geraten. In Folge dessen entwickelte sich ein forenübergreifender und länderübergreifender (Schweiz, Frankreich, Österreich, Niedelande, USA) Disput, in dem ich mich genötigt sah, teilweise privat und öffentlich Stellung zu beziehen, um einige Missverständnisse und Fehlinterpretationen bezüglich meiner Person und Aussagen bzw. Andro als Infoplattform aufzuklären. Wurden seinerzeit meine Aussagen bezüglich der bigotten Verhaltensweise und tatsächlichen Praktiken (Doping) von Sportlern aus den Breitensportarten im Hobby-, Amateur- und Profibereich noch infrage gestellt bzw. kategorisch abgestritten, sieht es nun anders aus.  

Die “Dopingexperten”

In den vergangenen zwei Wochen schossen neben altbekannten Gesichtern immer mehr Dopingexperten wie Pilze aus dem Boden und tummelten sich in den diversen Formaten der Medien. Endlich war das Ende des Regenbogens gefunden und der dort von einem Kobold (in Form von Erik Zabel) vergrabenen Schatz konnte mit einem Sammelsurium von vorgebrachten Halbwissen und Hörensagen gehoben werden. Wer tatsächlich heutzutage noch die Geschichte vom Reiskorn in der Harnröhre vorbringt, isst auch - im übertragenen Sinne - einen Salat aus den Blüten der Trompetenbäume, anstatt Mariuhana zu konsumieren und “zieht” gemahlene Muskatnuss anstatt Kokain. Dummheit, Unwissen und die Gier nach Geld und Aufmerksamkeit stirbt halt nie aus! Dies warf bei mir die Frage auf, was denn nun ein Dopingexperte wäre bzw. was ihn auszeichnet? Nach diversen Telefonaten mit den visuellen und Printmedien und deren Formaten scheinen diesem Karrierebild folgende Punkte meiner Interpretation nach zuträglich zu sein:

  • ein wie auch immer gearteter Doktortitel
  • ehemaliger Hobbysportler bzw. drittklassiger Amateur bzw. Profi in irgendeinem Sport zu sein
  • das flüssige Vorbringen von mindestens 3 leistungsteigernde bzw. verschleiernden Substanzen z.B. EPO, Epitestosteron, Deca-Durabolin
  •  jemanden zu kennen, der gedopt hat bzw. es mal “angeboten” bekommen zu haben 
  •  “Dopingopfer“ zu sein (schließt nicht Sportler der ehemaligen DDR ein)
  • den Hang zum Vertauensbruch zu haben und vertrauliche Informationen weiterzugeben wenn man einen persönlichen Vorteil daraus ziehen kann
  • keine praktikableren Lösungsmöglichkeiten und -vorschläge geben
  • Schadenfreunde
  • polemisieren wo es nur geht

Wirkliches Wissen um die tatsächlichen Hintergründe und der angewanden Praktiken in den jeweiligen Sportarten sind nicht nötig und auch nicht vorhanden. Eloquente Fragen und Diskussionen kann man mit Häme unangebrachter Ironie und einigen Schlagwörtern ähnlich der bunten Boulevard-Presse umgehen. Ein weiteres beliebtes Mittel scheint üble Nachrede, Pauschalisierungen und das Vorbringen von unbewiesenen Tatsachen zu sein, wie z.B.: “Die armen Tour de France Fahrer sind merkwürdigerweise alles Allergiker und müssen deshalb Astmaspray konsumieren, was bedauerlicherweise die Bronchien erweitert!” Ich möchte mich damit weder für Doping aussprechen, noch zweifele ich die Unfairness dieser Praktiken gegenüber der sauberen Sportlern an. Allerdings sollte man bei einem so ernsten Thema neben z.B. dem medizinischen Wissen auch ein erhebliches Wissen über die allgemeinen Umstände und Vorgehensweisen verfügen, denn ansonsten gerät eine derartige Diskussion zur Farce.

Die Fälle Erik Zabel, Rolf Aldag, Bert Dietz und “Konsorten”

 Diesbezüglich können sich alle Betroffenen - und dabei meine ich nicht nur die Sünder - Realitätsverlust, -verzerrung, -beschönigung und Berechnung vorwerfen lassen und keinesfalls und ausschließlich “Gewissensgründe”. Die Luft im Doping-Radsporthimmel ist einfach über die Jahre hinweg äußerst dünn geworden und spätestens seit der Geschichte um Marco Pantani befand sich der Radsport bildlich gesprochen auf dem K2. Dann kam der Umstand um den spanischen Arzt Eufemiano Fuentes, was uns auf den Mount Everest führte, wo die Luft seeeeehr dünn wurde. Darauf folgte das “Enthüllungsbuch” des, man höre und staune, “Ex-Masseurs” Jef d’Hondt und schon befanden wir uns in Ermangelung eines adäquat hohen, überirdischen Berges im Vacuum des Weltraums. Dies war der Punkt an dem die selbsternannten “Experten” und die Medienmaschinerie nicht mehr zu stoppen waren und es mussten Köpfe rollen. Das es Deutsche Sportler bzw. Teams und Ärzte mit am härtesten treffen würde, war aufgrund der o.g. Publikationen und dem gegen Jan Ullrich erhobenen Vorwürfe incl. der gerichtlichen Auseinandersetzungen mit meinem Lieblingsexperten (neben Dr. Kurt A. Moosburger alias Mr. Adonis Komplex) Prof. Werner Franke leicht auszurechnen. In Folge dessen griff bei diversen Sportlern der urzeitliche Fluchtinstinkt in einer abgewandelten Form (Flucht nach vorne) im Gegensatz zu Jan Ullrich (Flucht nach hinten) und so trat man geschlossen zum Rapport vor die Presse. Die hintergründige Intension der Protagonisten in der Pressekonferenz kann sich jeder selbst ausrechnen, da es der eigenen Interpretation unterliegt. Ich persönlich empfand trotzdem zu Beginn der Pressekonferenz Respekt für Herrn Zabel und Herrn Aldag für diesen mutigen Schritt. Im Verlauf der Pressekonferenz ärgerte ich mich jedoch, dass ich vorher nicht mehr gegessen hatte, denn dann hätte ich mehr kotzen können.

Unbestritten war der Auftritt mutig, aber sich dann dort hinzusetzen und vor versammelten Mannschaft Rotz und Wasser zu heulen, hat mich persönlich angeekelt und mich in Hinblick auf die sauberen Sportler wütend gemacht. Selbstverständlich ist das ein emotional belastende Situation, aber dann auf die Mitleidsschiene zu fahren mit Sätzen und dem Hauptargument wie: “Wenn ich von meinem Sohn erwarte, dass er ein guter Mensch wird, kann ich ihn nicht weiter anlügen!” zeigt, dass es wahrscheinlich bis auf das letzte kalkuliert war, denn dieser Satz ist rethorisch und psychologisch absolut perfekt - oder einfach zugegeben die blanke Wahrheit. Zum einem zeigt es Herrn Zabel als verantwortungsvollen Vater eines Kindes, zum anderen als Menschen der zwischen gut und böse bzw. richtig und falsch differenziert und dies auch von seiner Umgebung (Sohn) erwartet und das ihm die Wahrheit (auch wenn sie rechtlich verjährt ist) wichtig ist. Welche Meinung man auch für die Gründe und insbesondere den von Herrn Zabel vorgebrachten Hauptgrund (Sohn) vertritt, verfehlte der o.g. Satz seine Wirkung nicht. Er war der tief beschämte und erschütterte “Doper” und eine harte Hetzkampagne blieb aus. Vielmehr erntete er Verständnis und Bewunderung für diesen Schritt seitens der Medien. Von diesem Umstand profitierte natürlich auch der zweite im Bunde in Form von Herrn Aldag: Zum einen lenkte dieser Umstand weiter von seiner Person ab (neben der Tatsache, dass er weniger erfolgreich war, was den öffentlichen Focus angeht) und zum anderem gab es ihm eine Steilvorlage, was sich rethorisch weniger perfekt in folgender Aussage wiederspiegelte: “Ich hab’s mir ins Teufel-Tattoo auf dem Oberarm gespritzt, damit man keine blauen Flecken sieht.” Dies war der Zeitpunkt an dem ich wieder lachen konnte: “Ja kleiner Rolfi: Alle bösen Sachen dieser Welt sind bei einem kleinem roten Teufelchen zu finden. Hier hast du einen Lutscher!”Als ich Tage später bei dem “Beichtvater” J.B. Kerner landete, sah ich das nächste “Sünderlein” in Form von Bert Dietz. Anscheinend erkennen diverse Personen nun den Trend der Zeit seine Sünden zu gestehen. – neben der Tatsache, dass man in der “Masse” besser untergeht, was das öffentliche Interesse angeht. Natürlich wurde diese Unterstellung meinerseits von Herrn Dietz mit den Worten “Ich spiele seit Monaten mir den Gedanken an die Öffentlichkeit zu gehen!” entkräftet. Ein Glück, denn sonst hätte es mich mehr gekostet als die Fernbedienung, die ich gegen die Wand geschmissen hatte.Aber was haben wir die vergangenen Wochen gelernt? “Es ist alles verjährt!” - welch ein glücklicher Umstand, oder einfach nur Zufall!

Radsportler sind alles Dopingsünder

Herzlich Willkommen liebe Radsportler, ist es nicht schön sich mal in den ständigen Vorwürfen, denen auch nicht gedopte Bodybuilder ausgesetzt sind, wiederzufinden? Nun seid ihr kurzfristig, im Gegensatz zu uns, ganz unten angekommen. Wie sagte Jesus am Kruzefix zu Don Camillo als er ihn zur Strafe Rizinusöl trinken ließ: “Eine kleine Lektion in Demut!” - aber genug der Schadenfreunde. Die Überschrift ist selbstverständlich absoluter Humbug. Es gibt genauso viele oder wenig Dopingsünder im Radsport wie in jeder anderen Sportart. Nur wird dies geflissentlich von den Medien und Gremien der diversen Sportarten übersehen. Dieses mal hat es eben speziell den Radsport erwischt. In diesem Zusammenhang seien auch die Schwimmer, Gewichtheber, Sprinter, Kugelstoßer, Triathleten, Fußballer, Boxer, Footballspieler, Baseballer und selbstverständlich Bodybuilder genannt, damit es nicht in Vergessenheit gerät. (Liste den Schande)  Womit wir wieder bei dem netten Nomen “Bigotterie” wären und der auch so menschlichen Fähigkeit der Verdrängung, ohne dass ich mich jetzt mit Dopingsünder solidarisieren möchte. Die Realität ist schlicht und ergreifend, dass in jeder Sportart Doping betrieben wird. Sei es nun im Hobby- und Amateurbereich oder insbesondere im Profibereich.

Doping im Profisport

Jährlich werden in ein und derselben beliebigen Sportart immer wieder Weltrekorde geknackt. Sportler, die eigentlich rein vom Alter her in “Rente” sein müssten, mischen ganz oben in diversen Weltranglisten mit. Überall werden erfolgreiche Comebacks gestartet und die Körperphysis der Athleten hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten komplett gewandelt. Evolution vollzieht sich im Sport innerhalb von Dekaden, anstatt in Jahrmillionen wie in der restlichen Menschheit. Damit möchte ich nicht ausdrücken, dass alle erfolgreichen Sportler im Profibereich gedopt haben oder gedopt sind. Es gibt selbstverständlich Sportler mit überragenden Fähigkeiten was ihre Körperphysis und sonstigen Veranlagungen, Ernährungsdiagnostik und Trainingstand und -methodik angeht. Allerdings hat sich in den gesamten Profisportarten die Leistungsgrenze unerklärlich verschoben, was sich nicht mehr in der Masse mit “begnadeten” Sportlern erklären lässt. Diesbezüglich kann ich jedem, und insbesondere Sportlern, nur nahe legen sich mit dieser Thematik näher zu befassen, und die WADA, NADA, diversen Institute z.B. DSHS Köln und Internetseiten wie Antidoping zu besuchen und kontaktieren, und das Gespräch zu suchen, und die sogenannten “Experten” der Medien links liegen zu lassen. (Linkliste auf Anfrage)

In diesem Zusammenhang und in Hinblick auf die aktuellen Ereignisse kann ich nur meine Mutmaßung bekräftigen, dass im Profisport neben den Sportlern auch das Umfeld am Doping beteiligt sind. Das Umfeld muss nicht immer aktiv involviert sein (”Spritze setzen”) sondern es reicht schon gewisse Anzeichen zu “übersehen”. Die meisten leistungssteigernde Substanzen ziehen ersichtliche Nebenwirkungen nach sich, was für “Wissende” und Medizinern sofort ersichtlich sein sollte. Des Weiteren stehen Profisportler ständig unter ärztlicher Kontrolle. Dies schließt auch regelmäßige Blutbilder mit ein. Nun mag jemand mit einer gesunden Menge an Halbwissen sagen, dass dies nicht zwingend eine Hormonwertbestimmung mit einschließt und dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings werden sich beim Gebrauch von den meisten Substanzen, die unter dem Begriff “Dopingmittel” fallen, auch Werte extrem verändert, die schon bei einem kleinen Blutbild und erst recht bei einem großem Blutbild auffallen würden. Stichwörter hierbei wären beispielsweise die diversen Leberwerte und LDL und HDL Werte und bei gewissen Verschiebungen sollten alle Alarmsirenen bei den behandelnden Ärzten schrillen, und in dieser Phase kommen die meisten der gebräuchlichen “maskierenden” Substanzen nicht zum Einsatz, da es die Wirkung der leistungssteigernden Mittel aufheben bzw. herabsetzen würde.Es gibt also immer mehr als einen Schuldigen neben dem dopenden Sportler, über diesen Umstand sollte sich jeder bewusst sein!

Quelle, Autor und vollständiger Artikel

M.Tal @ Markustal’s Weblog

 

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